OMT Orthopädische Manuelle Therapie

15 Dinge, die Sie über Rückenschmerzen nicht wussten Teil 1


17. Juli 2016 | Steffen Klittmann

Heute stellen wir Ihnen den ersten von 3 Teilen zum Thema: Fakten über Rückenschmerzen, die Sie nicht wussten zur Verfügung.

Der Text ist aus den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft abgeleitet und spiegelt die Erfahrung unserer täglichen Praxis wider. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und hoffentlich viele neue Erkenntnisse!

 

Originalautoren:

Mary O’Keeffe (University of Limerick), Dr Kieran O’Sullivan (University of Limerick), Dr Derek Griffin (Tralee Physiotherapy Clinic)

 

Die Behandlung von Rückenschmerzen kostet den Staat mehr, als die Behandlung von Krebs und Diabetes zusammen. Die meisten Kosten entstehen durch die Behandlung von Menschen mit anhaltenden Schmerzen. Die wissenschaftliche Forschung zum Thema Rückenschmerz ist zwar weit voran geschritten, dennoch gibt es einige hartnäckige verbreitete Meinungen und Überzeugungen zu diesem Thema. Diese 15 Punkte basieren auf umfassenden wissenschaftlichen Fakten.

www.pain-ed.com

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  1. Rückenschmerzen sind verbreitet und normal
    80% aller Menschen haben im Laufe ihres Lebens mindestens einmal Rückenschmerzen. Schmerzen im Rücken sind wie müde oder traurig sein. Man mag es nicht besonders, aber es betrifft fast jeden irgendwann einmal. Es ist allerdings nicht normal, sich nicht von Rückenschmerzen zu erholen. Die meisten akuten Rückenbeschwerden entstehen durch eine Überlastung oder Zerrung der Muskulatur und deren Prognose ist ausgezeichnet. Innerhalb der ersten zwei Wochen nach einer akuten Schmerzperiode berichten die meisten Menschen von einer signifikanten Verbesserung der Symptome. Fast 85% der Menschen erholen sich innerhalb drei Monaten vollständig. Nur sehr wenige Menschen entwickeln langanhaltende und einschränkende Probleme.
  2. Bei Rückenschmerzen wird selten ein MRT benötigt
    Ärzte und Therapeuten, aber auch Patienten erwägen häufig ein bildgebendes Verfahren (z.B. MRT – Magnetresonanztomographie) in Betracht „um sicher zu sein“, dass die Beschwerden keinen ernsthaften Grund haben. Jegliche Evidenz bestätigt allerdings, dass nur bei einer kleinen Minderheit (weniger als 5%) der Menschen mit Rückenschmerzen bei einer bildgebenden Untersuchung tatsächlich etwas Relevantes herausgefunden wird. Ein Hausarzt oder Physiotherapeut kann anhand der Symptome und Anamnese in der Regel entscheiden, ob ein bildgebendes Verfahren notwendig ist.
  3. Die Interpretation von bildgebenden Verfahren sollte zusammen mit einer Gesundheitswarnung einhergehen
    Wir dachten, um Rückenschmerzen zu behandeln sei es eine große Hilfe so gute Bilder wie möglich von der Wirbelsäule zu bekommen. Jetzt wissen wir, dass das in den meisten Fällen nicht der Fall ist! Wenn Menschen ein MRT oder CT gemacht bekommen, dann sind häufig Dinge zu sehen, die wenig Zusammenhang mit Schmerzen haben. Tatsächlich haben zahlreiche Studien gezeigt, dass sogar Menschen ohne Schmerzen Auffälligkeiten wie z.B. Bandscheibenvorwölbungen (52%), degenerierte Bandscheiben (90%), Bandscheibenvorfälle (28%) und „arthrotische“ Veränderungen (38%) zeigen. Weiterführende Information zu diesem Thema finden Sie hier. Denken Sie daran: Diese Menschen haben KEINE Schmerzen! Leider wird Patienten mit Rückenschmerzen häufig erzählt, dass solche Veränderungen zeigen, dass der Rücken verletzt sei. Das kann zu mehr Angst, Stress und Vermeidung von Aktivität führen. Tatsächlich aber sind viele dieser Befunde eher vergleichbar mit Haarverlust – ein Zeichen des Alterns und der Genetik, und das muss nicht schmerzhaft sein.
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  1. Rückenschmerzen werden nicht durch ausgerenkte Gelenke hervorgerufen
    Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Rückenschmerzen durch einen ausgerenkten Knochen oder ein ausgerenktes Gelenk hervorgerufen wird. Weiterführende Informationen zu diesem Thema finden Sie hier. Bei den meisten Menschen mit Rückenschmerzen zeigen MRTs keinen Nachweis von „verrutschten“ Bandscheiben, Knochen oder Gelenken. Bei den wenigen Menschen, die eine Abweichung der normalen Haltung aufweisen, gibt es keinen starke Verbindung zu Rückenschmerz. Natürlich geht es vielen Menschen nach einer Behandlung, z.B. durch eine Manipulation (= Fachbegriff für das Einrenken) besser. Diese Verbesserung resultiert allerdings aus einer kurzfristigen Schmerzreduktion durch Veränderung der Muskelspannung und der Angst, NICHT durch das Einrenken von Wirbeln oder ähnlichem.
  1. Bettruhe bei Rückenschmerzen ist nicht hilfreich
    In den ersten Tagen nach einer Verletzung (z.B. durch Verheben) kann es helfen, schmerzauslösende Aktivitäten zu reduzieren. Solch eine Verletzung ist vergleichbar mit einem verstauchten Sprunggelenk. Allerdings gibt es sehr starke Evidenz, dass aktiv bleiben und nach und nach zu allen gewohnten Aktivitäten zurück zu kehren (z.B. Arbeit und Hobbies), sehr wichtig für die Heilung sind. Im Gegensatz dazu hilft Bettruhe nicht. Diese steht in Verbindung mit stärkeren Schmerzen, größerer Beeinträchtigung, schlechterer Regeneration und längerer Krankschreibung. Tatsächlich scheint es so, dass der Schmerz stärker wird, desto länger man im Bett bleibt.

 

Sind Sie auch schon gespannt auf den zweiten Teil? Nächste Woche wird dieser veröffentlicht.

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Kommentare

  1. Funk: 17. Juli 2016 um 15:16

    Das sind genau meine Gedanken!👍 Ich bin kein Physio o.ä. Ich bin Trainer und habe alle Schmerzen mit Bewegung und Dehnung in den Griff bekommen. Danke für diesen Artikel.

  2. Steffen Klittmann: 17. Juli 2016 um 17:59

    Es freut uns, dass Dir der Artikel gefällt. Vielen Dank für dein Feedback!