OMT Orthopädische Manuelle Therapie

15 Dinge, die Sie über Rückenschmerzen nicht wussten Teil 2


24. Juli 2016 | Steffen Klittmann

Heute stellen wir Ihnen den zweiten von 3 Teilen zum Thema: Fakten über Rückenschmerzen, die Sie nicht wussten zur Verfügung.

Der Text ist aus den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft abgeleitet und spiegelt die Erfahrung unserer täglichen Praxis wider. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und hoffentlich viele neue Erkenntnisse!

 

Originalautoren:

Mary O’Keeffe (University of Limerick), Dr Kieran O’Sullivan (University of Limerick), Dr Derek Griffin (Tralee Physiotherapy Clinic)

 

Die Behandlung von Rückenschmerzen kostet den Staat mehr, als die Behandlung von Krebs und Diabetes zusammen. Die meisten Kosten entstehen durch die Behandlung von Menschen mit anhaltenden Schmerzen. Die wissenschaftliche Forschung zum Thema Rückenschmerz ist zwar weit voran geschritten, dennoch gibt es einige hartnäckige verbreitete Meinungen und Überzeugungen zu diesem Thema. Diese 15 Punkte basieren auf umfassenden wissenschaftlichen Fakten.

www.pain-ed.com

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5. Ein stärkerer Schmerz kann nicht mit einer größeren Rückenverletzung gleich gesetzt werden

Das mag seltsam klingen, aber wir wissen heute, dass ein stärkerer Schmerz nicht immer mit einer größeren Verletzung gleich zu setzen ist. Schließlich können zwei Menschen mit der gleichen Verletzung den Schmerz unterschiedlich stark empfinden. Die empfundene Schmerzintensität hängt von vielen Faktoren ab: In welcher Situation der Schmerz aufgetreten ist, frühere Erfahrungen mit Schmerzen, der eigenen Stimmungslage, Ängste, körperliche Fitness, Stress und wie man damit umgeht. Beispielsweise spürt ein Sportler während einem Spiel oder ein Soldat im Kampf anfänglich nach einer Verletzung nicht viel Schmerz, bis er sich später in einem ruhigeren und sicheren Umfeld befindet. Weiterhin kann unser zentrales Nervensystem zu jedem Zeitpunkt regulieren, wie viel Schmerz wir empfinden. Wenn ein Mensch Rückenschmerzen hat, kann es sein, dass sein Nervensystem überempfindlich geworden ist und einen Schmerz verursacht, obwohl die eigentliche Verletzung oder Zerrung verheilt ist. Das kann bedeuten, dass diese Person vermehrte Schmerzen beim Bewegen oder Belasten spürt, obwohl sie ihren Rücken dabei nicht schädigt. Wenn Menschen mit anhaltenden Rückenschmerzen verstehen, dass ihr Schmerz unter anderem von den Bedenken vor einer (weiteren) Verletzung der Rückens aufrecht erhalten wird, können sie einfacher an der Therapie teilnehmen.

6. Operationen sind bei Rückenschmerzen selten notwendig

Nur ein kleiner Teil der Menschen mit Rückenschmerzen benötigt eine Operation. Die meisten Menschen können ihren Rückenschmerz wieder unter Kontrolle bekommen, indem sie aktiv bleiben, ein besseres Verständnis über Schmerzen entwickeln und die Faktoren identifizieren, die zu ihrem Schmerz beitragen. Das sollte helfen, die täglichen Aufgaben zu bewältigen, ohne auf ein operatives Verfahren angewiesen zu sein. Im Gesamten sind die Ergebnisse nach Wirbelsäulenoperationen mittel- und langfristig nicht besser als nicht-operative Behandlungsverfahren, wie z.B. Übungstherapie.

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8. Schulranzen sind ungefährlich – Die Sorge davor, dass sie schädlich sein könnten, jedoch schon

Viele Menschen denken, dass das Tragen eines schweren Schulranzens bei Kindern zu Rückenschmerzen führen könne. Forschungen in diesem Bereich haben diese Verbindung allerdings nicht bestätigen können: Das Gewicht des Schulranzens hat keinen Einfluss darauf, ob Kinder Rückenschmerzen entwickeln oder nicht. Wenn ein Kind – oder ein Elternteil – allerdings denkt, dass der Schulranzen zu schwer ist, WIRD das Kind mit größerer Wahrscheinlichkeit tatsächlich Rückenschmerzen entwickeln. Das zeigt, welche Rolle Angst in der Entwicklung von Rückenschmerzen spielt. Einen Schulranzen tragen kann somit eine einfache und gesunde Maßnahme und Übung für Kinder sein, um Inaktivität und Übergewicht im Kindesalter zu bekämpfen.

9. Die ideale Sitzhaltung gibt es nicht
Sollten wir alle aufrecht sitzen? Entgegen der weit verbreiteten Meinung, zeigt keine spezielle Sitzhaltung Vorteile bei der Prävention oder Reduktion von Rückenschmerzen. Unterschiedliche Personen benötigen verschiedene Sitzhaltungen: Manche Menschen haben mehr Schmerzen beim aufrechten Sitzen, andere beim „Lümmeln“. Obwohl das zusammengesunkene Sitzen negativ besetzt ist, gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis, der diese Aussage bestätigen konnte. Tatsächlich nehmen viele Menschen mit Rückenschmerzen sehr starre Haltungen ein (z.B. extrem aufrecht sitzen) und haben wenig Variationen im Sitzen. Die Fähigkeit die Haltung zu variieren und sich sicher, entspannt und variabel zu bewegen, statt eine einzige Haltung lange aufrecht zu erhalten, ist wichtig für Menschen mit Rückenschmerzen.

 

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10. Heben und Bücken sind ungefährlich
Menschen mit Rückenschmerzen denken häufig, dass Aktivitäten wie Heben, Bücken und Drehen gefährlich sind und vermieden werden sollten. Entgegen der weit verbreiteten Überzeugung konnte die Wissenschaft bis heute jedoch keine Zusammenhänge zwischen diesen Faktoren und Rückenschmerzen herstellen. Natürlich kann man sich den Rücken zerren, wenn man etwas auf eine ungünstige Art und Weise hebt, oder wenn man etwas anheben möchte, was schwerer ist, als was man gewohnt ist. Ebenso können diese Aktivitäten bei Menschen mit Rückenschmerzen auch schmerzhafter sein, als normalerweise. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Aktivität(en) deshalb gefährlich sind oder vermieden werden sollten. Obwohl Heben und Beugen häufig ein Auslöser für Rückenschmerzen sein kann, sind dies normale Aktivitäten. Ähnlich wie nach einem verstauchten Knöchel, bei welchem man wieder zum Rennen und Sport zurückkehrt, sollte auch das Heben und Beugen des Rückens geübt werden, um den Rücken belastbarer zu machen.

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Sind Sie auch schon gespannt auf den dritten Teil? Nächste Woche wird dieser veröffentlicht.

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